Ein Plädoyer für genussvollen Solo-Sex, die Bedeutung des Orgasmic Yoga im Sexological Bodywork

Orgasmic Yoga, ich nenne es auch Solo-Sex, landläufig wird es masturbieren genannt, in Fachkreisen heisst es Autoerotik und im günstigsten Fall machst Du Liebe mit dir selbst.

 

Warum sollte ich das tun, selber die Hand anlegen?

Übung macht den Meister, Sexualität ist gelernt, wie jede andere körperliche Fähigkeit und der Körper lernt durch Wiederholung! 

So lernst Du Deinen Sex genussvoller zu erleben.  

Um Neues an dir zu entdecken! und um Routine und Gewohnheiten dir bewusster zu machen. 

Umso besser du deinen Körper kennst und vertraut damit bist, desto klarer kennst du deine eigenen Bedürfnisse, und entdeckst, was dir Spass, Freude, Genuss und Intensität bereitet. 

Das ist auch die Grundlage dafür, deinem/r Partner*in mitzuteilen, wie du deinen sinnlichen Genuss und deine sexuelle Erregung erleben möchtest. 

 

Wie lernen Menschen ihre Sexualität zu entwickeln?

Kinder beginnen ab ca. 2,5 Jahren ihr Genital zu erforschen, indem sie es berühren (wenn man sie lässt), und lernen spielerisch damit umzugehen. 

Von entscheidender Bedeutung ist es, dass man sie dabei wertschätzend behandelt, und sie es spüren lässt, dass es absolut in Ordnung ist, sich selbst zu erforschen.

Wenn Kinder z.B. laufen oder sprechen lernen, sind ihre Eltern dabei stolz und glücklich, ihre Augen strahlen, ihre Gesichtsmimik drückt Freude aus, was Kinder auch als solches registrieren, und als Unterstützung erfahren.

Wenn Kinder hingegen ihr Genital entdecken, damit spielen und es berühren, wird das oft anders bewertet. Mit einem z.T. kritischen oder gar missbilligenden Gesichtsausdruck, eben anders, als wenn sie vergleichbar andere Dinge über sich und ihren Körper erfahren. 

Dabei entstehen bei Babys und Kindern die ersten Botschaften, dass es eben nicht gleichermassen in Ordnung ist, wenn sie sich „da unten“ berühren.

Das können mit unter auch die ersten negativen Botschaften sein, die wir in unserer sexuellen Sozialisation erfahren, und wo wir mit Scham in Berührung kommen.

Damit möchte ich aber nicht die Eltern verurteilen! Letzen Endes drückt das nur ihre eigene Unsicherheit, Verlegenheit und oder Scham aus, mit Sexualität natürlich umzugehen, es ist sozusagen ihr eigener Spiegel. Und das ist menschlich.

Durch den Einfluss der Hormone in der Pubertät lernen Mädchen wie Jungen dann durch regelmässiges Berühren ihrer Vulva/Vagina bzw. ihres Penis, wie sie sich sexuell erregen können, und was es braucht, um ihre sexuelle Erregung in einem Orgasmus zu entladen.

Hierbei werden die ersten Grundlagen somatischen Lernens gelegt, sowie Gewohnheiten und Berührungsmuster entwickelt, um sexuelle Erregung zu erleben.

Wenn die Partner-Sexualität mehr in den Mittelpunkt des sexuellen Erlebens kommt, tritt der Solo-Sex oft in den Hintergrund, und z.T. wird er nur noch dazu gebraucht, um die Zeiten ohne Partner-Sex zu überbrücken.

Oftmals höre ich Sätze wie, warum sollte ich es denn mir selbst machen, oder, dafür habe ich doch meine Partnerin bzw. Partner. Allenfalls um emotionale Spannung abzubauen, und das als Regulation zu gebrauchen.

Das geschieht meist schnell, lautlos und ohne Spuren zu hinterlassen. 

 

Wie komme ich dorthin, mit mir selbst genussvollen Sex zu erleben?

Das tägliche Duschen z.B. bietet eine Möglichkeit, wo wir bewusst, achtsam und liebevoll mit unseren Körper sein können.

Denn statt den Körper dabei nur zu reinigen, kannst du das auch so sinnlich gestalten, dass es dir ein wohliges Gefühl vermittelt.

Beim Eincremen und Pflegen deines Körpers nach der Dusche oder Bad, ist eine weitere Möglichkeit, dies zu tun. Die Haut ist unser grösstes Organ und mit unzähligen Nerven ausgestattet, die nur darauf warten, bewusst, achtsam und liebevoll von dir berührt zu werden. 

So begegnest du dir selbst! wertschätzend, anerkennend, respektvoll und mit Selbst-Liebe. 

Langsamkeit als Schlüssel um körperliche Wahrnehmung und Empfindung intensiver zu erleben.

Eine kleine Übung um den Unterschied zu spüren.

Reibe mit der Hand schnell und gleichmässig deinen Unterarm, und nehme wahr was du spürst: Wärme, Reibung…..

Nun wechsle zum anderen Unterarm. Berühre diesen aber zunächst so, dass deine Hand und deine Finger ihn ganz umschliessen und sich sozusagen ansaugen. 

  Bleib für einen Moment noch ohne Bewegung und spüre nur den Kontakt.

Dann beginne deinen Unterarm sanft zu drücken oder zu kneten und lass langsam wieder los. Wiederhole das einige Male an anderen Stellen deines Armes mit unterschiedlichen Druck, was nimmst du jetzt wahr?

Jetzt beginne gaaaanz langsam deinen Unterarm zu streichen, vielleicht magst du dabei deine Augen schliessen und stellst dir vor, deine „Körper-Landschaft“ zu entdecken. Variiere dabei mit unterschiedlicher Intensität der Berührung (kräftig, moderat, oder sanft) deinen Unterarm zu streichen und spiele mit unterschiedlichem Tempo. 

 

Welche Geschwindigkeit und welcher Druck ist für dich angenehm?                                                                          

Was ist der Unterschied, wenn du schnell reibst, oder wenn du die Berührung anderes gestaltest?

Wie nimmst du die Auswirkung in deinem Körper wahr? 

 Wie spürst Du die verschiedenen Arten der Berührung?

Was geschieht mit deiner Atmung?

Wie ist deine Muskelspannung?

Welche Gedanken begleiten dich dabei?

Welche Gefühle und Emotionen entstehen?

Wie nimmst du dich gesamt wahr?

Wiederhole diese angenehmen Berührungen im Gesicht, diesem empfindsamen Teil Deines Körpers.

Ertaste alle Teile Deines Gesichts.

Streichle z.B. auch über deine Lippen, evtl. magst du sie mit deinen Fingern leicht öffnen.

Welche Gefühle entstehen, wenn du dir liebevolle Berührung selbst gibst?

Und wie wäre es, wenn du dir auch genital so begegnest und dein Liebesspiel im Solo-Sex mit dir selbst gestaltest?

 

Genitale Berührung einmal anders

Die meisten Menschen befriedigen sich oftmals auf die gleiche Art und Weise.

Um deinen Sex anderes zu erleben, beginne mit dir selbst! Denn so, wie du deinen Sex erlebst, hat viel damit zu tun, wie du gelernt hast dich selbst zu befriedigen.

Wie wirkt dieser Satz auf dich? Lass dir einen Moment Zeit, das auf dich wirken zu lassen.

Mit der Art und Weise, wie du gelernt hast deine Masturbation zu gestalten, hat entsprechende Erregungsmuster ausgebildet. Und die können dir, je nachdem, Grenzen deines sexuellen Erlebens hinsichtlich Genuss, Freude, Spass und Intensität bescheren.

Viele Menschen spannen ihren Körper unbewusst stark an, um sexuelle Erregung aufzubauen. Das hilft einerseits, um zu einer Entladung zu kommen, doch es kann sich wie harte Arbeit anfühlen und ist nicht genussvoll. 

Hierbei kann dir bewusst werden, wie du deinen Körper konditioniert und gelernt hast – durch regelmässiges Wiederholen. Das ist sozusagen ein sehr differenziertes Trainieren deines Körpers, ähnlich wie bei virtuosen Musiker*innen, die durch ständiges üben ihre Fertigkeiten und damit ihr Spielen ständig verbessern. 

Das ist Expertenwissen, dass du dir angeeignet hast, und du bist Experte darin, wie du dich sexuell erregen kannst, und das stellt zugleich eine erotische Kompetenz dar. 

 

Die grössten körperlichen Hindernisse um Sex genussvoll zu erleben:

 Hohe dauerhafte Muskelanspannung (vor allem im Bereich des Beckenbodens, Gesäss, Bauch und Beinmuskulatur).

Stockender bis angehaltener Atem. 

Kaum oder wenig Bewegung, sowohl ganzkörperlich und insbesondere im Becken.

Ausschliesslich schnelle (automatisierte) stimulierende Berührung des Genital.

Geschlossener Mund und angespannte Kiefermuskeln.

 

Wie kann ich Neues lernen ?

  Gebrauche deine „ungeübte“ Hand um dich zu stimulieren.

Dabei merkst du recht schnell, wie sehr deine geübte Hand gelernt hat dein Genital zu stimulieren, und welche Automatismen und Gewohnheiten du ausgebildet hast.

Das kann bereits eine ziemliche Herausforderung sein, auch Frust und oder Widerstand erzeugen. Wenn du bemerkst, dass das nicht gleichermassen funktioniert,  und es dich nicht wie gewohnt sexuell erregt. 

Aber du kannst von deiner „ungeübten Hand“ lernen. 

Und genau darum geht es, dass du Anderes, Neues hinzu lernst, um dich sexuell mit mehr Genuss zu erregen.

Das soll aber keine Aufforderung sein jetzt alles anderes zu machen, aber wenn du Neues erleben willst, braucht es eben auch ein anderen Umgang mit dir selbst.

Beginne also zu variieren. 

Stimuliere dich so, wie du das bisher gemacht hast um dich sexuell zu erregen, und beginne dann Neues auszuprobieren und hinzuzufügen. Und du kannst natürlich jederzeit auch wieder zum Altbewährten zurückkehren.

Variiere mit dem Tempo deiner Berührungen. Wenn du bemerkst, dass du zu gleichmässiger, schneller Berührung neigst, halte für einen Moment inne, und beginne dann dich bewusst langsamer zu berühren. 

Achte darauf wie du atmest. Vor allem, wenn du bemerkst, dass dein Atem stockt oder sogar anhält. Öffne etwas deine Lippen und deinen Kiefer, und versuche einige tiefe Atemzüge (evtl. bis in den Bauchraum) zu nehmen. 

Beginne langsam auszuatmen und gestatte dir dabei einen Ton zu machen (ein sanftes seufzen, stöhnen etc.), das wird deine Muskelspannung reduzieren.

Achte auf deine Muskelspannung*, – beobachte vor allem, welche Muskeln du anspannst (Bauch, Beckenboden, Gesäss und Beine). Variiere dabei mit leichter Anspannung, aber auch wieder mit dem Loslassen deiner Muskelspannung.

Und bewege dein Becken! und schliesslich deinen ganzen Körper.

 

* Wichtig! Eine dauerhafte hohe Muskelspannung, vor allem im Beckenraum reduziert die Durchblutung der Genitalien, was wiederum das Spüren und Wahrnehmen verringert.

Also, weshalb sollten wir als Erwachsene nicht weiter mit uns und an uns lernen? 

Nichts spricht dagegen vieles dafür!

Und nun viel Freude beim Ausprobieren und Entdecken neuer Sinneserlebnisse.

Herzlich Manu Roland Meier

Wenn du den Wunsch verspürst, deine Sexualität weiter zu entwickeln, dann nimm Kontakt mit uns auf, und teile uns mit, was dich beschäftigt und interessiert.

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